MTD-CPD-Zertifikat: 80 Punkte in 5 Jahren – so funktioniert es

Das MTD-CPD-Zertifikat ist der offizielle Fortbildungsnachweis für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie alle anderen MTD-Berufe in Österreich. Wer es beantragt, weist damit schwarz auf weiß nach, die gesetzliche Fortbildungspflicht zu erfüllen. Doch wie viele Punkte brauchen Sie, welche Fortbildungen zählen überhaupt, und was kostet der Antrag? Dieser Beitrag beantwortet alle Fragen – belegt mit den Originalquellen von MTD-Austria und Physio Austria. (Stand: Juli 2026)

MTD-CPD-Zertifikat auf einen Blick: Für das MTD-CPD-Zertifikat sind 80 CPD-Punkte innerhalb von 5 Jahren nachzuweisen – das entspricht 60 Stunden. Die Umrechnung ist einfach: 1 Lerneinheit à 45 Minuten = 1 CPD-Punkt. Mindestens 50 % der Punkte müssen aus fachspezifischen Fort- und Weiterbildungen bzw. Studien und Lehrgängen stammen. Das Zertifikat wird vom jeweiligen Berufsverband ausgestellt und ist freiwillig – die zugrunde liegende Fortbildungspflicht ist es nicht.

Was ist das MTD-CPD-Zertifikat?

CPD steht für „Continuing Professional Development“, also kontinuierliche berufliche Fort- und Weiterbildung. Das MTD-CPD-Zertifikat ist ein Nachweis, mit dem Angehörige der sieben gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe (u. a. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Diaetologie) dokumentieren, dass sie die gesetzlichen Mindestanforderungen an Fortbildung erfüllen. Grundlage ist die MTD-CPD-Richtlinie von MTD-Austria (Version 3.0, aktualisiert September 2024).

Zu den MTD-Berufen zählen laut MTD-Gesetz 2024 sieben Sparten:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Diaetologie
  • Biomedizinische Analytik
  • Orthoptik
  • Radiologietechnologie

Die Richtlinie und der zugehörige Fort- und Weiterbildungskatalog gelten für alle sieben Sparten gleichermaßen. Ausgestellt wird das Zertifikat jedoch immer vom jeweils zuständigen Berufsverband – für die Physiotherapie also von Physio Austria.

Gesetzliche Fortbildungspflicht vs. freiwilliges Zertifikat

Wichtig ist die Unterscheidung zweier Ebenen: Die Fortbildungspflicht selbst ist gesetzlich verpflichtend. § 38 des MTD-Gesetzes 2024 verlangt von allen MTD-Berufsangehörigen, innerhalb von jeweils fünf Jahren Fortbildungen im Ausmaß von mindestens 60 Stunden zu besuchen. Das Zertifikat dagegen ist freiwillig – niemand muss es beantragen. Es ist aber der etablierte Weg, die Erfüllung der Pflicht gegenüber Arbeitgebern, Behörden oder Patientinnen und Patienten strukturiert nachzuweisen. Wer 80 CPD-Punkte sammelt und das Zertifikat beantragt, hat die 60 gesetzlichen Stunden automatisch abgedeckt.

MTD-CPD-Zertifikat vs. MTD-CPD-Zertifikat PLUS

Die Richtlinie kennt zwei Stufen: Das MTD-CPD-Zertifikat mit 80 Punkten (60 Stunden) in 5 Jahren bestätigt die gesetzliche Mindestanforderung. Das MTD-CPD-Zertifikat PLUS verlangt die doppelte Menge – 160 CPD-Punkte (120 Stunden) in 5 Jahren – und gilt als freiwilliger Nachweis eines höheren Qualitätsstandards. MTD-Austria empfiehlt allen Berufsangehörigen ausdrücklich die PLUS-Variante. Ab dem 10. Berufsjahr können für das PLUS-Zertifikat zusätzlich bis zu 30 Bonuspunkte pro Periode über ein dokumentiertes Portfolio erworben werden. Das Portfolio ist eine selbstverfasste schriftliche Reflexion der eigenen Kompetenzentwicklung der letzten fünf Jahre im Umfang von drei bis vier Seiten (1.000 bis 1.300 Worte) – gedacht für Lernleistungen, die sich nicht über Teilnahmebestätigungen belegen lassen.

Das Punktesystem im Detail: So werden CPD-Punkte berechnet

Die Berechnung der CPD-Punkte in der Physiotherapie und allen anderen MTD-Sparten folgt einer einfachen Grundregel aus der MTD-CPD-Richtlinie:

  • 1 Lerneinheit (45 Minuten) = 1 CPD-Punkt
  • Kongresse pauschal: 1 ganzer Tag = 10 Punkte, ein halber Tag = 5 Punkte
  • ECTS-Umrechnung: 1 ECTS entspricht 25 Stunden bzw. 33 CPD-Punkten

Ein Rechenbeispiel: Ein zweitägiger Fortbildungskurs mit je 8 Lerneinheiten pro Tag bringt 16 CPD-Punkte. Für die 80 Punkte in 5 Jahren genügen also rechnerisch fünf solcher Wochenendkurse – oder im Schnitt 16 Punkte (12 Stunden) pro Jahr.

Auch Kongressbesuche summieren sich schnell: Wer pro Jahr einen zweitägigen Fachkongress besucht, sammelt allein damit 20 Punkte jährlich – nach vier Jahren wären die 80 Punkte theoretisch komplett. In der Praxis empfiehlt sich ein Mix aus Kursen, Kongressen und weiteren Aktivitäten, schon wegen der nachfolgend beschriebenen 50-Prozent-Regel.

Die 50-Prozent-Regel

Nicht alle Punkte dürfen aus beliebigen Aktivitäten stammen. Die Richtlinie schreibt vor: Mindestens 50 % der CPD-Punkte müssen aus den Katalog-Kategorien Nr. 1 (fachspezifische Fort- und Weiterbildungen) und/oder Nr. 2 (fachspezifische Studien und Lehrgänge) kommen. Höchstens 50 % dürfen aus den Kategorien Nr. 3 bis Nr. 19 stammen – etwa Vortragstätigkeit, Literaturstudium oder Supervision. Für das 80-Punkte-Zertifikat heißt das konkret: mindestens 40 Punkte aus klassischen fachlichen Fortbildungen.

Welche Fortbildungen und Aktivitäten zählen?

Der Fort- und Weiterbildungskatalog MTD-CPD listet 19 anrechenbare Kategorien. Die wichtigsten im Überblick:

AktivitätPunkte laut MTD-CPD-Richtlinie
Fachspezifische Fortbildungen (Workshops, Kurse, Seminare, Kongresse, E-Learning mit Nachweis, In-House-Trainings)1 Lerneinheit à 45 Min. = 1 Punkt; Kongress: 10 Punkte/Tag
Fachspezifische Studien- und Lehrgängebis 90 ECTS: bis zu 80 Punkte; ab 90 ECTS: bis zu 1 ganze Periode anrechenbar
Leitungstätigkeit (Team, Fachgruppe, Arbeitskreis)10 Punkte pro Periode
Fachspezifische Vortragstätigkeitmax. 5 Punkte pro Jahr
Lehrtätigkeit in Aus-, Fort- und Weiterbildung1 Semesterwochenstunde = 8 Punkte (max. 32 Punkte/Periode)
PublikationenArtikel: 5 Punkte; wissenschaftliche Artikel: 10–40 Punkte; Bücher: 50 Punkte
Mentoring/Coaching bzw. Supervisionje max. 14 Punkte pro Periode
Hospitation bei Berufskolleginnen und -kollegenmax. 6 Punkte/Tag, max. 30 Punkte pro Periode
Fachbezogenes Literaturstudiummax. 10 Punkte pro Periode (mit Dokumentation des Lernergebnisses)
Freie (nicht-fachspezifische) Fortbildungenmax. 25 Punkte pro Periode

Auch Prüfungsleistungen, die Betreuung von Bachelor- (4 Punkte) und Masterarbeiten (8 Punkte), die Organisation von Fachveranstaltungen, Mitwirkung in Qualitätszirkeln und wissenschaftlichen Studien sowie eigene Forschungsprojekte (20 Punkte je Projekt) sind anrechenbar. Die vollständige Tabelle finden Sie in der MTD-CPD-Richtlinie (PDF, September 2024) ab Seite 5.

Externe und ausländische Fortbildungen

Der Katalog nennt ausdrücklich „interne und externe Fortbildungen“ – Sie sind also nicht an Kurse des eigenen Berufsverbands gebunden. Die Anrechenbarkeit wird bei der Einreichung individuell geprüft; Entscheidungsgrundlage sind die Kompetenzbereiche der FH-MTD-Ausbildungsverordnung. Praktisch: Sie können eine Fortbildung laut Richtlinie bereits im Vorfeld zur Überprüfung der Anerkennungswürdigkeit einreichen, bevor Sie buchen. In begründeten Fällen können Fortbildungen auch abgelehnt werden.

Schritt für Schritt zum MTD-CPD-Zertifikat

Der Weg zum Zertifikat ist unbürokratischer, als viele erwarten. Eine laufende Registrierung oder ein Online-Punktekonto ist nicht erforderlich – Sie sammeln Ihre Nachweise selbst und reichen am Ende gesammelt ein. So gehen Sie vor:

  1. Teilnahmebestätigungen sammeln: Bewahren Sie über die 5 Jahre alle Nachweise auf. Über jede Fortbildung muss laut MTD-Gesetz eine Bestätigung über Dauer und Inhalt ausgestellt werden.
  2. Punkte prüfen: Kontrollieren Sie, ob Sie 80 Punkte erreichen und die 50-Prozent-Regel einhalten. Die eingereichten Fortbildungen dürfen ab dem Monat der Einreichung nicht länger als fünf Jahre zurückliegen.
  3. Antragsformular ausfüllen: Das Formular stellt Ihr Berufsverband bereit – für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ist das Physio Austria.
  4. Einreichen: Antrag samt Kopien bzw. Scans der Teilnahmebestätigungen per E-Mail (office@physioaustria.at), Post oder Fax an den Verband senden.
  5. Prüfung und Ausstellung: Der Berufsverband prüft die Unterlagen auf Anrechenbarkeit und Vollständigkeit. Bei vollständigen Unterlagen rechnen Sie mit rund vier Wochen Bearbeitungszeit. Stichtag für die Laufzeit des Zertifikats ist das Datum der Einreichung.

Was kostet das MTD-CPD-Zertifikat?

Die Kosten hängen von Ihrer Verbandsmitgliedschaft ab. Bei Physio Austria gilt laut aktueller Verbandsinformation: Für Mitglieder ist die Ausstellung kostenlos. Nichtmitglieder zahlen 380 Euro für die Bearbeitung des Antrags und die Ausstellung des Zertifikats. Andere MTD-Berufsverbände verrechnen eigene Sätze – Biomed Austria etwa 250 Euro für Nichtmitglieder. Maßgeblich ist immer der für Ihre Sparte zuständige Verband; prüfen Sie die aktuellen Tarife direkt auf dessen Website. Zum Vergleich: Der Kostenersatz für Nichtmitglieder entspricht bei Physio Austria in etwa mehreren Jahresmitgliedsbeiträgen – wer das Zertifikat ohnehin beantragen möchte, fährt mit einer Mitgliedschaft im Berufsverband meist günstiger. Für die Fortbildungen selbst fallen unabhängig davon die üblichen Kursgebühren der jeweiligen Anbieter an; die CPD-Anrechnung verursacht dort keine Zusatzkosten. Gut zu wissen: Kursgebühren und Reisekosten können Sie in der Regel steuerlich absetzen.

Häufige Fragen zum MTD-CPD-Zertifikat

Ist das MTD-CPD-Zertifikat verpflichtend?

Nein. Das Zertifikat selbst ist freiwillig. Verpflichtend ist nur die Fortbildung nach § 38 MTD-Gesetz 2024: mindestens 60 Stunden innerhalb von fünf Jahren. Das Zertifikat ist der von den Berufsverbänden geschaffene, standardisierte Nachweis dafür.

Wie viele Fortbildungspunkte brauche ich als Physiotherapeutin bzw. Physiotherapeut in Österreich?

Für das MTD-CPD-Zertifikat 80 CPD-Punkte in 5 Jahren (entspricht 60 Stunden), für das MTD-CPD-Zertifikat PLUS 160 Punkte (120 Stunden). Ein CPD-Punkt entspricht einer Lerneinheit von 45 Minuten.

Zählen Online-Kurse und E-Learning?

Ja. Der Fort- und Weiterbildungskatalog führt E-Learning mit Nachweis ausdrücklich in Kategorie 1 (fachspezifische Fort- und Weiterbildungen) – gleichwertig zu Präsenzkursen, Workshops und Seminaren.

Zählt auch das Lesen von Fachliteratur?

Ja, fachbezogenes Literaturstudium ist mit maximal 10 Punkten pro 5-Jahres-Periode anrechenbar – allerdings nur mit Dokumentation des Lernergebnisses und nur im Rahmen der 50-Prozent-Grenze für die Kategorien 3 bis 19.

Wo beantrage ich das Zertifikat?

Immer beim Berufsverband Ihrer Sparte: Physiotherapie bei Physio Austria, Ergotherapie bei Ergotherapie Austria, Logopädie bei logopädieaustria und so weiter. Der Verband prüft die Unterlagen und stellt das Zertifikat aus.

Wie lange ist das MTD-CPD-Zertifikat gültig?

Das Zertifikat bezieht sich immer auf eine 5-Jahres-Periode. Stichtag für Laufzeit und Gültigkeit ist laut Richtlinie das Datum der Einreichung; die eingereichten Fortbildungen dürfen ab dem Monat der Einreichung höchstens fünf Jahre zurückliegen. Danach beginnt die nächste Periode – Fortbildung ist als kontinuierlicher Prozess angelegt, nicht als einmaliger Nachweis.

Fazit: Punkte planvoll sammeln statt am Ende rechnen

80 Punkte in 5 Jahren klingen nach viel, sind aber mit durchschnittlich 12 Fortbildungsstunden pro Jahr gut erreichbar – vorausgesetzt, Sie sammeln Ihre Teilnahmebestätigungen konsequent und achten auf die 50-Prozent-Regel. Wer mehr will, peilt gleich das PLUS-Zertifikat mit 160 Punkten an.

Die Fortbildungskurse von RehabUpdate werden in Lerneinheiten à 45 Minuten abgehalten und liefern Ihnen damit direkt anrechenbare Einheiten für Ihr MTD-CPD-Punktekonto. Alle aktuellen Termine finden Sie in unserer Kursübersicht.

Quellen: MTD-CPD-Richtlinie, Version 3.0, September 2024 (MTD-Austria); Physio Austria: MTD-CPD-Zertifikat; Biomed Austria: MTD-CPD-Zertifikat. Stand: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Dokumente der Verbände.

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